ErŲffnung 05.Mai 2004
Vorbereitungen für die Ausstellung in Meiningen

Japan Night am 20. August 2004

05. Mai bis 22. August 2004

Ausstellung der NÔ-Kostüme des Herrn Akira Yamaguchi im

Schloss Elisabethenburg
98605 Meiningen

Tel: +49-3693-471-290
Fax: +49-3693-471-0035

Diese Ausstellung wurde möglich durch die freundliche Unterstützung des Leiters des Theatermuseums in Meiningen Herrn Volker Kern, Herrn Professor Günter Zobel und Meister Akira Yamaguchi.


N‘-Kostüm aus dem Yamaguchi N‘ Costume Research Center

Buchtipp:

Den prächtigen Kostümen und den Masken des Nô-Theaters ist diese Publikation gewidmet. Beiträge von japanischen, amerikanischen und europäischen Spezialisten geben einen Einblick in das Wesen einer der ältesten, bis heute fast unverändert gebliebenen Theaterformen der Welt.

Erschienen in der Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft mbH, Wien.

Mit Beiträgen unter anderem von Akira Yamaguchi und Günter Zobel.

Buchtipp: N‘-Theater Kostüme und Masken, erschienen im Brandstätter Verlag, Wien

Autumn Flowers (Herbstblumen) - Die Welt des NŰ-KostŁms

Will man in Japan seine Bewunderung für ein besonders luxuriöses Gewand zum Ausdruck bringen, benutzt man die Formulierung: "Kostbar wie ein Nô-Kostüm". Das Nô-Theater, eine Art poetisches Monodrama, vereint Elemente des Tanzes, der Musik und der Dichtung auf hohem ästhetischen Niveau. Es entstand in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts aus früheren volkstümlichen Theater- und Tanzformen (Sangaku) und erlangte unter dem Patronat des Shoguns Yoshimitsu Ashikaga (1358 - 1408) seine Reifeform. Die Entwicklung des Nô-Theater ist maßgeblich auf das Wirken zweier Künstlerpersönlichkeiten zurückzuführen: Kanami Kiyotsugu (1333 - 1384) und Zeami Motokiyo (1363 - 1443), Vater und Sohn. Vor allem Zeami, als Autor zahlreicher Nô-Stücke, Verfasser theoretischer Schriften zur Kunst des Nô sowie Leiter der Truppe seines Gönners, prägte diese Theaterform entscheidend. Mit seinem Namen ist die allmähliche Abkehr vom handlungsorientierten Theater, das Streben nach ständiger Verfeinerung und Veredelung und die Hinwendung zum höfischen Ideal der "geheimnisvollen, stillen Anmut" ( yûgen) verbunden. Der Kontakt zum Volk und seinen überlieferten Theaterformen ging verloren. In den folgenden Jahrhunderten festigte es seine Position als zeremonielle Unterhaltung der Krieger und Feudalherren endgültig.
Dem Geschmack des Publikums und den Repräsentationsbedürfnissen der Fürsten folgend, wurden die im Nô-Theater verwendeten Kostüme immer luxuriöser. Nach einer besonders wohlwollend aufgenommenen Vorstellung pflegten die Feudalherren die eigenen kostbaren Gewänder aus Goldbrokat und Seide abzustreifen, um sie den Nô-Spieler zur Verwendung auf der Bühne zu schenken. Von Nô-Spielen im Jahre 1463 berichten japanische Quellen, dass innerhalb von drei Tagen nicht weniger als 237 Gewänder auf diese Art abgelegt und als Belohnung überreicht worden seien. In diesem Umstand liegt die Erklärung dafür, dass im Nô-Theater Gewänder getragen wurden, die üblicherweise nur bestimmten Personen der Oberschicht vorbehalten waren. Es gibt etwa zwanzig Typen von Nô-Kostümen - eine vergleichsweise geringe Zahl, bedenkt man die etwa 250 Stücke des Standardrepertoires. Anders als im japanischen Kabuki oder im europäischen Theater werden die Kostüme nicht für eine bestimmte, individuelle Rolle angefertigt. Um die verschiedenen Rollen eines Nô-Stückes charakterisieren zu können, werden die wenigen Kostümtypen stets neu kombiniert, auf genau festgelegte Weise drapiert und mit Accessoires versehen.
Noch heute bezaubern uns die Nô-Kostüme durch die Erlesenheit der Stoffe, die Brillanz und das subtile Zusammenspiel der Farben, die kunstvollen geometrischen, floralen und bildhaften Muster und die Eleganz der Schnitte als Gebilde von majestätischer Würde, die Geist und Seele des Menschen zur Ruhe kommen lassen. Die ihnen innewohnende, eigentümliche Schönheit ist die Essenz einer Jahrhunderte alten Kultur, wie es sie nirgendwo sonst gibt. Und doch weisen die Nô-Kostüme über ihren eigentlichen Zweck hinaus auf etwas Allgemeinmenschliches, das auch außerhalb ihres Traditionszusammenhanges empfunden werden kann. Nô bedeutet ein immerwährendes Streben nach Können, Wissen, Vervollkommnung und Eliminierung alles Überflüssigen im Rahmen kanonisierter Werte. Nur wer das eigene Ego zurückzustellen vermag, handwerkliche Meisterschaft erstrebt und die Traditionen befolgt, gelangt zu Individualität und eigener Interpretation - eine Weisheit, die in Europa verloren zu gehen droht. Die Ausstellung Autumn Flowers (Herbstblumen) - Die Welt des Nô-Kostüms in den Meininger Museen präsentiert über einhundert Objekte aus der Sammlung des Yamaguchi Nô Costume Research Center in Rikimaru/Japan, darunter viele prachtvolle Kostüme, Haarbänder, Gürtel und Masken, ergänzt durch Fotos und Videos, die einen Einblick in die Praxis der Kostümherstellung und der Aufführungspraxis im modernen Nô-Theater geben.
Meister Akira Yamaguchi hat sein Leben den Nô-Kostümen gewidmet. Seit über dreißig Jahren erforscht er deren "elegante Schönheit" nicht nur theoretisch. Er und seine Mitarbeiter untersuchten über 1000 Nô-Kostüme der Edo-Zeit. "Theorie, Techniken und Methoden, die man anwandte, um jene Welt an Schönheit zu schaffen, die in diesen Nô-Kostümen verkörpert ist, kann von moderner Wissenschaft und Technologie nicht nachgebildet werden; man muß sie durch langwierige Erfahrung lernen, in einer Annäherung, die modernen Methoden eher entgegengesetzt ist. Der wichtigste Faktor in der Reproduktion der Nô-Kostüme, so fühlte ich, werde es sein, wie nahe ich der Edo-Zeit kommen könne, nicht nur in Technik und äußeren Bedingungen, sondern auch im Geist der Anfertigung." (A. Yamaguchi) Seither hat er mehr als 700 Kostüme reproduziert, wobei er alle Arbeitsschritte, von der Seidenraupenzucht, über die Gewinnung der Farbstoffe bis zum Weben der Stoffe, selbst erledigt. Yamaguchis Kostüme, die nur gelegentlich von den großen Meistern des zeitgenössischen Nô-Spiels auf der Bühne getragen werden können, ernten in Japan wie auch im Ausland seit Jahren große Bewunderung. Für den Besucher der Ausstellung kann der visuelle Genuß an den Kostümen ein Weg sein, sich dieser so fremdartigen wie feingeistigen Theaterform, die vor einiger Zeit zum Weltkulturschatz erklärt wurde, zu nähern.


Anfahrtsskizze

Stadtplan Meiningen Anfahrt zum Schloss Elisabethenburg


 

 
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